Auszeit von der Insel

Von Mallorca nach Malaga

Málaga – das war für mich vor allem süßer Wein, Massen-Tourismus, Stierkampf – alles, was ich nicht mag oder mir sogar heftiges Unbehagen bereitet. Doch dann war ich bei einer Leserreise von unserer Schwester-Publikation IbizaHEUTE mit der „Sea Cloud“ in Málaga. Ich lernte einen Ort kennen, der schon am ersten Abend zu meiner Lieblingsstadt in Spanien wurde. Málaga ist genau richtig für kleine Auszeiten – nur eineinhalb Flugstunden von Mallorca entfernt. Es gibt viele Gründe, sich in diese Stadt zu verlieben … Und zum Immer-Wieder-Kommen!

Von Mallorca nach Malaga

Viel Raum für Fußgänger
Da ist diese Nähe: Gerade mal 300 oder 400 Meter sind es vom Hafen bis zur Kathedrale. Es geht über den breiten Boulevard mit den schönen alten Palmen, durch den Ausläufer des Parks, bis die Füße den Marmorboden berühren. Es ist wirklich fast jeder Boden aus Marmor: der Platz vor der Kathedrale, die Bürgersteige, die engen Gassen, auch die breite Prachtstraße – und alles gehört den Fußgängern. Taxen berühren nur den Rand der Altstadt. Dazu diese Kompaktheit, überall kleine Gassen mit Restaurants, kleinen Geschäften, dem Friseur, der Näherei, bunt, farbenfroh – lebensfroh. Und dann die Sauberkeit: keine Graffitis an irgendeiner Hauswand, keine weggeworfene Zigarettenkippe …

Bodegas, Tapas-Bars, Bäckereien

Da sind die vielen Restaurants: Der ganze Teil der alten Stadt scheint aus kleinen Bodegas, Restaurants, Cafés, Tapas-Läden und nach frischem Brot und süßen Sachen duftenden Bäckereien zu bestehen. Ketten mit Hamburgern oder Ketten mit „Kaffee to go“ sucht man hier vergebens. Auch große Restaurants sind die Seltenheit, kleine – mal andalusisch, mal moderner – die Regel. So wie mein Lieblingsrestaurant „La Barra de Zapata“ in der kleinen Straße Calle Salinas 10. Die geht vom Platz der Kathedrale ab, mit der Kirche im Rücken rechts halten, dann 50 Meter gehen – schon ist man da.

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Besser reservieren

Aber sofort einen Platz bekommen? Dann sind Sie ein echter Glückspilz. Denn das „La Barra de Zapata“ hat nur rund 30 Plätze, und die sind meist schon reserviert. Es ist ein echter Familienbetrieb. Seniorchef Rafael und sein jüngster Sohn, ebenfalls Rafael, beraten die Gäste und sind für den Service zuständig. Mutter Anna unterstützt Jonathan, den ältesten Sohn in der Küche. Und der ist ein Zauberer. Er verwandelt die auf der kleinen Karte eher simpel anmutenden Tapas in wahre Kunstwerke, die Augen und Gaumen betören.

Von Null auf Platz Platz 2

Die vier vom „La Barra de Zapata“ haben es in nur in den elf Monaten, die sie das Restaurant betreiben, auf der Internet-Plattform „tripadvisor“ auf Platz 2 von 794 Restaurants in der Altstadt von Málaga gebracht. Am besten mittags oder abends hingehen, mit Rafael reden – und reservieren.

Schmackhafte Alternativen

Wer erst am nächsten Tag einen Platz ergattert, aber auf ein paar andalusische Tapas nicht verzichten möchte, geht einfach zurück zur Kathedrale, links daran vorbei und weiter links halten. So erreicht man in etwa fünf Minuten das „El Pimpi“ in der Calla Granada 62. Und das ist eine Institution und umfasst mehr als ein Gebäude: Tapas-Bar, Wein-Bar, zweite Tapsas-Bar, dazu ein schickes Restaurant – und den Platz auf drei Terrassen mit Blick auf das Römische Theater und die Festung Alcazaba aus arabischer Blütezeit. Die Karte ist groß, die Preise für Balearen-Verhältnisse ein Traum. Was für ganz Málaga gilt. Hat Sie eben die Zahl der 794 gelisteten Restaurants in der Altstadt überrascht? Hier ist noch eine zum Staunen: In Málaga gibt es über 2.000 Lokale. Und es herrscht Abend für Abend buntes Treiben.

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Straßenmusiker gehören zu der Stadt wie die Marmorböden

Da sind die Straßenmusiker: Sie spielen auf dem Platz zwischen dem eben erwähnten „El Pimpi“ und dem Theater aus römischer Zeit – aber auch auf vielen anderen Plätzen der Stadt. Wahre Künstler, mal ein Musiker allein mit der Flamenco-Gitarre, mal hat eine ganze Band Schlagzeug, Keyboard und Co. aufgebaut. Oder ein Geiger und seine Partnerin mit der Querflöte verzaubern so, dass die Menschen stehen bleiben. Die Straßenmusiker sind so gut, dass sie jährlich ein eigenes Festival bestreiten. Sie gehören zur Stadt wie die Marmorböden und die Kathedrale.

Höchst freundliche Atmosphäre

Da sind die Menschen: hilfsbereit, fröhlich, gut gelaunt. Und es ist, als wenn die Stadt ihnen den Stempel aufdrückt, und sie den Stempel den Touristen: laut, aufdringlich, unangenehm? Nie in Málaga erlebt, nicht bei meinem ersten Besuch, nicht bei meinem zweiten, nicht beim dritten …

Die „Einarmige“

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Da sind die Sehenswürdigkeiten: Die schönen Fassaden der Altstadt, die große Kathedrale „Catedral de Encarnacíon“, die nach der Vertreibung der Mauren im Jahr 1528 über der Großmoschee gebaut wurde. Die „málagueños“ nennen sie La Manquita (‚die Einarmige‘), der zweite Turm wurde nie fertiggestellt – das Geld reichte nicht. Dann sind die beiden mächtigen Festungen einen Besuch wert; „Alcazaba“, eine maurische Festung aus dem 11. Jahrhundert, erbaut auf einem Palast aus phönizischer Zeit, und dem Castillo de Gibralfaro, direkt in der Stadt. Beide Festungen waren in früheren Jahrhunderten durch geheime Gänge verbunden.

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Kunst, wohin man schaut

Und dann ist Málaga auch noch die Stadt der Museen. 34 sind es, darunter die bedeutendsten wie das Museum für zeitgenössische Kunst „CAC“, das Museo Picasso, der Maler wurde in Málaga geboren, und das Museo Carmen Thyssen. Ach ja, die Stadt hat auch eine der größten Stierkampf-Arenen Spaniens, mit Platz für 14.000 Menschen.

Blick von der Prinzessin

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Da ist der Blick über Stadt und Hafen von der „Prinzessin“ aus – dem höchsten mobilen Riesenrad Europas: 70 Meter geht es in den klimatisierten Gondeln in den Himmel der Costa del Sol. Am schönsten ist die Zeit des Sonnenuntergangs, wenn die tiefstehenden Strahlen die Fassaden der Stadt golden leuchten lassen – und langsam die Lichter angehen …

Da sind die Parks, die Palmen: Direkt am Hafen zieht sich ein schöner, großer Park entlang der Stadt. Fast endloses Grün mit Bänken, kleinen Wegen, zauberhaft. Und Palmen sind überall. Sie wiegen sich im lauen Wind – und keine Spur von Zerstörung durch den Palmrüssler, der auch auf Mallorca eine Palme nach der anderen tötet. Ich werde mal nachfragen, wie Málagas Gärtner es schaffen, dass ihre Palmen verschont bleiben. Vielleicht ein Tipp für unsere Leser …

Strandbar zum Schwelgen 

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Da ist der Stadtstrand: Er heißt „Malagueta“ nahe beim Leuchtturm des Hafens. Er hat feinen, hellen Sand – und mit dem „Chiringuito“ eine echte, urige Strandbar. Hier wird frischer Fisch auf Spießen in einem alten Boot gegrillt wird: Dorade, Lubina, Sardinen, Oktopus, Steinbutt … Hingehen, am Grill „Ihren“ Fisch aussuchen, genießen. Und das wieder zu einem Preis, der sensationell ist – der Geschmack des frischen Fischs ist es sowieso. Wenn Sie mit dem roten Touristenbus „Hop On Hop Off“ (20 Euro) unterwegs sind, dann an Station 8 aussteigen, in der Sonne Wein und Fisch genießen, und wieder einsteigen – er bringt Sie an der Stierkampfarena vorbei bis zur Festung (Station 10) – und natürlich auch zurück in die Stadt, tagsüber im 20-Minuten-Rhythmus.

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Günstig wohnen

Da ist das Wohnen: Hotel? Muss nicht sein. Schauen Sie mal nach einem Ferien-Apartment, die werden auch tageweise vermietet, liegen mitten im Leben und sind gar nicht so teuer. In der Nebensaison geht es bei rund 50 Euro los. Meine bisher beste Adresse: „Picasso Suites Málaga“ (Nebensaison rund 80 Euro), gleich gegenüber vom Picasso-Museum und nur drei Minuten bis zur Kathedrale und zu meinem Lieblingsrestaurant.

Preiswert fliegen

Da sind die Flüge: Ryanair zum Beispiel fliegt direkt von Mallorca nach Málaga. Und wenn man früh genug bucht – unschlagbar preiswert. Dazu erhalten Insel-Residenten den Flug für den halben Preis – wie bei allen Flügen zum Festland. Bei mir waren es für zwei Personen mit „Priority-Einstieg“ gerade mal 85 Euro – für Hin- und Rückflug zusammen, also 42,50 Euro pro Person!

Und so wird die kleine Auszeit in Málaga, das durch die Lage im Süden Spaniens auch noch wärmer als die Balearen ist, zur runden Sache. Und vielleicht entdecken auch Sie das, was ich entdeckt habe: eine der schönsten und liebenswertesten Städte Spaniens.  Dieter Abholte