Ganz schön aufgeblasen!

Ballonfahren auf Mallorca

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? MallorcaHEUTE-Redaktionsleiterin Kirsten Lehmkuhl! Mit einem Heißluftballon ist sie in aller Herrgottsfrühe über Mallorca hinweg geschwebt. Und am Ende wurde sie auch noch stilecht getauft:  mit Sekt. Ihre überraschende Erkenntnis: Viel heiße Luft zu produzieren, kann richtig schön sein!

Das Versuchskaninchen ist ein schwarzer Mini-Ballon. Er ist es, der an diesem Morgen als allererster in den Mallorca-Himmel steigt. Helium hat er in seinem runden Bauch, wie seine Verwandten auf den Jahrmärkten. Doch statt Kinderaugen zum Glänzen zu bringen, ist unser kleiner Schwarzer in anderer Mission unterwegs: Er soll Auskunft über Windstärke und Windrichtung geben. „Schließlich wollen wir nicht nur auf der Insel starten, wir wollen auch wieder auf der Insel landen“, sagt Ballonfahrer Carlos und lacht.

Der Uhrzeiger stehen auf 6.15 Uhr in der Frühe. Wer mit einem solchen „Luftschiff“ über die Insel fahren will, muss mit den Hühnern aufstehen. Der Thermik wegen. Hat die Sonne erst einmal die Erdoberfläche erwärmt, steigt warme Luft auf, der Ballon ist schwieriger zu steuern. Zudem kommt mittags stets eine Brise auf, Mallorcas berühmter Levante-Wind. Deshalb startet man zeitig. Oder in den Abendstunden.

Ballonfahren auf Mallorca

Aufgeblasen mit Windmaschinen

Vorsichtig wird die Ballonhülle auf dem Gelände von Mallorca Balloons bei Manacor ausgebreitet. Erstaunlich, was da zusammenkommt: Meter um Meter wird sie auf dem Boden entrollt, dann mittels Windmaschinen aufgeblasen, Brenner erwärmen bereits langsam die Luft, auf dass sich die Hülle aufrichtet. Später, wenn der Ballon in der Luft ist, wird er ein Volumen von 8.000 Kubikmetern haben, der zweitgrößte Spaniens.

„Fertig zum Einsteigen?“, fragt Carlos. Dann husch ins Körbchen. Also klettert eine bunt zusammen gewürfelte Schar aus Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden in das Weidegeflecht, zwölf an der Zahl. Kleine Aussparungen in der Korbwand fungieren als Trittleiter. Von allen hatte Carlos zuvor das Gewicht erfragt, jetzt werden wir in vier Abteile „gleichmäßig verteilt“. Carlos selbst steht in der Mitte in Abteil fünf unter drei Gas-Brennern der neuesten Generation. Sie sind es, die für reichlich heiße Luft sorgen werden. „Eine Jacke braucht ihr nicht“, prophezeit er, als einige ihre Joppen aus dem Rucksack holen wollen. „Ich werde euch schon einheizen!“ Da startet er schon die Brenner, sie fauchen los wie eine Wildkatze.

Ballonfahren auf Mallorca

Flammen züngeln drei Meter in die Höhe

Warm wird’s, ich quetsche mich so gut es geht gegen die Korb-Innenwand, weg von den Flammen, die knapp über mir drei Meter in die Höhe züngeln. Es sind über 40 Grad. Was natürlich nichts ist gegen die bis zu 100 Grad, die im Inneren der Ballonhülle herrschen!

Und dann passiert’s. Ganz sacht hebt der Ballon ab, einen Zentimeter, dann zwei, zehn, 20 … Fasziniert beobachte ich, wie dieser Koloss – insgesamt rund eine Tonne schwer – den Boden verlässt. So leicht, so besonnen, irgendwie erhaben. Er legt eine Geschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde hin! Man spürt es kaum. Es ist wie im Traum, wie wir da durch die Lüfte gleiten, dem Himmel entgegen.

Heizen & Abwarten, Steigen & Sinken

Leichter Wind aus Nord. Wir steigen auf 300 Meter, die zulässige Maximalhöhe für solche Gefährte. Carlos lässt die Brenner schweigen. Um sie wenig später wieder losschnauben zu lassen. Immer schön in Intervallen, Heizen und Abwarten, Steigen und Sinken, Windrichtung und –geschwindigkeit dabei geschickt nutzen. Aber mit Gefühl! „Stabilität ist wichtig, sonst wird zu viel Gas verbraucht, die Hülle zu sehr strapaziert“, erklärt Carlos. Eine Kunst, die unser Käpt’n perfekt beherrscht. Er gibt immer dann zischend Gas, wenn wir abzufallen beginnen. Unentwegt beobachtet der Mann Höhenmesser, Sink- und Steigegeschwindigkeit. Und ist die Ruhe selbst. Seit 22 Jahren steuert der Pilot mit staatlicher Lizenz zum Ballonfahren solche Luftikusse, hat 1.500 Stunden zurück- und 2.000 glückliche Landungen hingelegt.

Über Manacor liegt der Morgennebel. Hunde bellenl erregt ob dieses Dinges, das da über ihren Köpfen hinwegschwebt. Wir erreichen eine Geschwindigkeit von elf Stundenkilometern. So ein Ballon ist keine Concorde. Zum Glück. Denn sonst könnte man den Blick auf Petra, Vilafranca, das Kloster Bonany, Randa, die Tramuntana mit dem Puig Major gar nicht genießen! Die Erde wechselt ihre Farbe, ist rot, dann braun, dann grau. „Je nach Mineraliengehalt“, erklärt Carlos. Und während seine Worte in mir nachklingen, kommt ein Frieden über mich – und ein Lied vom Major Tom aus den 80ern in den Sinn: „völlig losgelöst von der Erde, schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos.“ Genau so fühlt es sich an …

Der Wind bestimmt den Weg

Da greift Carlos zum Funkgerät, nimmt Kontakt zu den Fahrern zweier Begleitfahrzeuge auf, die uns die ganze Zeit verfolgt haben, um uns später samt Equipment wieder aufzusammeln. Wo ganz genau man landen wird, weiß im Vorhinein niemand, der Wind bestimmt den Weg. Nach etwas über einer Stunde befinden wir uns über Felanitx, 13 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Carlos inspiziert das Terrain.

„Bei der Landung müsst ihr schön weich in den Knien sein, um den Aufprall mit den Beinen abzufedern, und nehmt die Hände rein“, warnt Carlos eindringlich. Er hat ein Stoppelfeld für unseren Niedergang ins Visier genommen. 30 Meter, 20 Meter, der Boden rückt näher. Doch es kommt anders als gedacht. Wir verfehlen das Ziel knapp. Es wird ein ziemlich ruppiger Acker mit allerlei Grünzeug mit Disteln und wildem Fenchel, der uns zurück auf der Erde willkommen heißt. Bemerkenswert ist die Bremsmethode: Viermal hopst die Kiste übers Feld – bis sie schließlich zum Stehen kommt und prompt auf die Seite kippt. Sanft ist anders.

Getauft wird mit Sekt

Es geht drunter und drüber in unserem Körbchen. Ich liege auf einer Schwäbin. Über mir ein Hesse. Alle lachen, ich trage keine Schramme davon. Bitte aussteigen! Was wiederum in dieser Position leichter gesagt ist als getan. Also zieht uns Carlos nacheinander aus dem Vehikel. Alle schmunzeln vor sich hin. Erst recht, als er uns zum Schluss einer ganz eigenen Zeremonie unterzieht: der Ballonfahrer-Taufe.

„Ich, der Pilot Carlos, taufe euch im Namen aller Heißluftballon-Piloten“, sagt er feierlich und gießt – schwupps – jedem ein bisschen Sekt über den Kopf. Am Ende gibt’s noch ein Zertifikat. „Frau Kirsten Lehmkuhl hat mit voller Zufriedenheit ihre erste Reise im Heißluftballon überstanden“, steht da. Überstanden ist gut. Aber überstanden ist zu wenig. Denn so eine Fahrt muss man im Leben einfach mal gemacht haben …

So funktioniert’s

Leichter als Luft
Heißluftballons zählen zu den ältesten Luftfahrzeugen überhaupt. Als erste ließen die Franzosen Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier im Sommer 1783 einen Ballon in die Höhe steigen, nördlich von Lyon. Das ist der Grund warum diese Ballone auch Montgolfièren genannt werden. Die Hülle damals bestand aus Papier. Die beiden Brüder besaßen auch Papierfabrik. Bevor sie allerdings Menschen in die Lüfte steigen ließen, verfrachteten sie der Legende nach zunächst einmal einen Hahn, eine Ente und einen Hammel in den Korb. Der erste bemannte Korbfahrt fand im November desselben Jahres statt. Heute gibt es weltweit Wettbewerbe und Meisterschaften der Ballonfahrer. Ricardo Aracil übrigens, Geschäftsführer von Mallorca Balloons, ist in diesem Jahr spanischer Vize-Meister geworden.

Warum steigt ein Heißluftballon in die Luft?
Ein bisschen Physik: Durch die Erwärmung der Luft in der Ballonhülle reduziert sich ihr spezifisches Gewicht. Durch den Dichteunterschied zwischen der kühleren äußeren Umgebungsluft und der erwärmten Luft im Ballon-Inneren entsteht eine Auftriebskraft. Fazit: Wird die Luft erwärmt, steigt der Ballon. Kühlt sich die Luft in der Hülle ab, beginnt er zu sinken.

Weitere Informationen:

Auf Mallorca bietet Mallorca Balloons Heißluftballon-Fahrten an. Kosten: Melden sich z.B. vier Personen an, kostet die Fahrt 150 Euro/Person. Wer den Korb allein für vier Personen haben möchte, zahlt ca. 700 Euro. Tel.: +34 971–59 69 69, www.mallorcaballoons.com.